Okt 032011
 

Zwar sinken die Kosten der Finanzkrise  zumindest in den USA angeblich von Monat zu Monat. Aber die Frage bleibt? Wo ist das Geld, das die Staaten in das Bankensystem pumpen mussten, eigentlich hin?

Eine Antwort ist: Es war teilweise schon vorher weg. Es wurde in Form virtueller Gewinne als Boni und Dividenden ausgeschüttet. (Für die exakte Antwort fragen sie ihren Lieblings-Makroökonomen.)

Schauen wir einmal auf ein Beipiel:

Schritt 1: Der Anfang
Es gebe zwei Banken. Beide haben von Ihren Aktionären jeweils 100 Mio. Kapital und von Ihren Kunden 1 Mrd. Einlagen (Girokonten, Sparbücher, …) eingesammelt.

Art Bank 1 Bank 2
Startkapital [Mrd.] 100 100
Einlagen 1000 1000

Da die Kunden natürlich Zinsen für ihre Einlagen erwarten, haben die Banken das Geld teilweise an der Bürse angelegt. Der Rest ist (vorläufig) noch frei verfügbar.

Art Bank 1 Bank 2
Aktien, Derivate 600 600
verfügbare Mittel 500 500

Die erste Tabelle zeigt also, woher beide Banken ihr Kapital bekommen haben, die zweite, was sie damit getan haben. Zusammen nennt man sie Bilanz.

Schritt 2: Die Investition in Wertpapiere
Nun leihen sich beide Banken gegenseitig 300 Mio. Immerhin können sie 600 Mio an Sicherheit in Wertpapieren vorweisen. Mit dem Geld kaufen sie weitere Wertpapiere. Die Bilanz sieht anschließend folgendermaßen aus, neue Einträge sind fett.

Art Bank 1 Bank 2
Startkapital [Mrd.] 100 100
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Aktien, Derivate 900 900
verfügbare Mittel 200 200
Kredite an andere Bank 300 300

 

Schritt 3: Der Börsenboom
Da beide Banken kräftig Wertpapiere gekauft haben (und weil die Zeit gerade danach ist), steigen die gekauften Papiere an der Börse. Sagen wir einmal um ca. 27% oder 250 Mio. bei jeder Bank. Dies führt zu einem entsprechenden (Buch)gewinn.

Art Bank 1 Bank 2
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Gewinn 250 250
Aktien, Derivate 1150 1150
verfügbare Mittel 200 200
Kredite an andere Bank 300 300

 

Schritt 4: Die Gewinnausschüttung
Angesichts der guten Wirtschaftslage und der erfolgreichen Handelstätigkeit beschließen beide Banken, die Hälfte Ihres unerwartet hohen Gewinns (250% des Eigenkapitals) als Boni und Dividenden auszuschütten und den Rest in die Gewinnrücklagen einzustellen.

Art Bank 1 Bank 2
Startkapital [Mrd.] 100 100
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Gewinnrücklage 125 125
Aktien, Derivate 1150 1150
verfügbare Mittel 75 75
Kredite an andere Bank 300 300

 

Schritt 5: Gewinnmitnahme an der Börse
Den Investmentbanker von Bank 1 wird der Markt zu heiß und sie beschließen Ihr Engagement an der Börse zu reduzieren. Insgesamt verkauft Bank 1 Wertpapiere für 225 Mio. . Dadurch erhöhen sich selbstverständlich die verfügbaren Mittel von Bank 1. [Gewinnrücklage und Startkapital wurden hier als Eigenkapital zusammengefasst.]

Art Bank 1 Bank 2
Eigenkapital [Mrd.] 225 225
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Aktien, Derivate 925 1150
verfügbare Mittel 300 75
Kredite an andere Bank 300 300

 

Schritt 6: Börsencrash
Wie nicht anders zu erwarten, führt der durch Bank 1 (und die allgemeine Stimmung) hervorgerufene Verkaufsdruck zu einem Wertverlust der Wertpapiere. Wir nehmen an, daß die Kurse auf den Stand vor dem Boom zurückfallen. Beide Banken schreiben dadurch einen Verlust, in der Bilanz als negativer „Gewinn“ eingetragen. Allerdings ist der Verlust von Bank 2 höher, da sie in Stufe 5 keine Gewinne mitgenommen hatten.

Art Bank 1 Bank 2
Eigenkapital [Mrd.] 225 225
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Gewinn -201 -250
Aktien, Derivate 724 900
verfügbare Mittel 300 75
Kredite an andere Bank 300 300

 

Schritt 7: Bankenpleite
Beide Banken müssen Ihren Verlust mit ihrem Eigenkapital verrechnen. Bei Bank 2 wird das Eigenkapital negativ, sie ist also pleite.

Art Bank 1 Bank 2
Eigenkapital [Mrd.] 24 -25
Einlagen 1000 1000
Kredite von anderer Bank 300 300
Aktien, Derivate 723 900
verfügbare Mittel 300 75
Kredite an andere Bank 300 300

Allerdings sieht es auch für Bank 1 nicht rosig aus. Sie hat nur noch 24 Mio. Eigenkapital übrig und hat an Bank 2 einen Kredit vergeben. Sollte Bank 2 ihr gesamtes negatives Eigenkapital auf Bank 1 überwälzen (also nur 275 Mio. zurückzahlen), ist auch Bank 1 pleite. Bank 1 ruft also nach dem Staat, Bank 2 zu retten.

Ergebnis
250 Mio. Ausschüttung (Hier ist das Geld hin)
1 Bank pleite
1 Bank fast pleite
Staat muss eingreifen (Hier kommt das Geld her)

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