Okt 082011
 

Thema Gestern: 1%-2% Eigenkapitalquote für 25% Eigenkapitalrendite.
Heute: Wie verhindert eine Bank, daß sie dabei Pleite geht. Und geht es dann doch.

Pleite würde die Bank gehen, wenn der Wert aller ihrer Anlagen zu stark in die gleiche, falsche Richtung (nach unten) schwankt. Und schwanken tun Finanzanlagen eigentlich immer. Sieht schlecht also aus? Mitnichten. Die bei „Risiko und Ertrag“ erwähnte Portfoliotheorie versucht das Schwanken aller Anlagen (also des Portfolios) zu minimieren.

Das Prinzip dahinter ist einfach. Nur weil zwei Anlagen schwanken, heißt das noch lange nicht, daß sie das typischerweise auch in die gleiche Richtung tun. Schauen wir auf das folgende Beispiel:

3 Schwankungskurven

Wir sehen hier die korrelierten Schwankungen drei verschiedener Anlagen. Dies wird normalerweise aus historischen Daten gewonnen. Angenommen z.Z. wären alle drei Anlagen 20 € wert. Dann läßt die Vergangenheit vermuten, daß Anlage B von 20 € auf 25 € steigt, wenn Anlage A auf 15 € fallen sollte. Hätte man also gleich viele A und B im Portfolio, würde dieses insgesamt nicht schwanken. Aber Achtung, hier geht es nur um (mehr oder weniger) zufällige Schwankungen. Der langfristige Trend (durch Dividenden, Zinszahlungen, …) kann trotzdem für beide Anlagen eine Steigerung vorsehen.

Die Finanzmathematiker, auch Quants genannt, berechnen die gezeigte Korrelation mit dem sogenannten Beta-Faktor, der die relative Veränderung zueinander beschreibt. Im obigen Beispiel hätten A und B etwa einen Beta-Faktor von -1 (sie verhalten sich gegenläufig) und A und C von 0.5 (C schwankt halb so stark wie A). [Das ganze läßt sich auch noch viel mathematischer und mit einem realen Beispiel erklären]. Wählt man nun seine Anlagen so, daß sich ihre Schwankungen multipliziert mit ihren Beta-Faktoren aufheben, kommt man auch mit 1% Eigenkapitalquote aus.

Theoretisch.

In der Praxis gibt es ja offensichtlich Probleme.

Zugegeben: Nicht alle sind an der Portfoliotheorie gescheitert. Aber prinzipiell lassen sich drei Gründe nennen, die die Wirksamkeit der Theorie zur Vermeidung von Pleiten in Frage stellen:

  1. Markteffizienzannahme: Wenn sich mit Hilfe der Portfoliotheorie eine risikolose Überrendite erwirtschaften läßt, so müßte diese Rendite aufgrund der Markteffizienz entweder verschwinden oder das Risiko muß sich erhöhen, also die Korrelation sich auflösen.
  2. Geldschwemme: Dadurch, daß die Zentralbanken den Markt mit Liquidität geflutet haben, können Effekte wie der Herdentrieb dazu führen, daß alle Anlageklassen sich plötzlich gleich verhalten. Etwa wenn große Hedgefonds und Investmentbanken aus allen Anlagen fliehen und auf Liquidität setzen.
  3. Der schwarze Schwan: Daten der Vergangenheit können nicht ausreichend extrem seltene und extrem starke Ereignisse vorhersagen.

Der letzte Punkt, herausgearbeitet von Nassim Taleb in seinem gleichnamigen Buch, ist besonders interessant, stellt er doch die die Basis der Finanzmathematik in Frage. Morgen mehr dazu.

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